Eine BU zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst. Für die meisten Angestellten und Selbstständigen ist das die wichtigste Versicherung überhaupt. Ich rate trotzdem nicht jedem dazu. In sechs Fällen ist die BU die falsche oder zumindest nicht die erste Wahl.
1. Der Beitrag frisst dein Einkommen
Versicherer sortieren Berufe in Gruppen. Wer in Berufsgruppe 4 bis 6 landet, zahlt schnell 8 bis 15 % seines Nettoeinkommens für eine vernünftige Rente. Das trifft zum Beispiel Dachdecker, Gerüstbauer, Estrichleger, Industriekletterer, Berufstaucher, Schlachter, Pflegekräfte im Schichtdienst, Berufskraftfahrer, Artisten, Berufstänzer und Profisportler.
Manche Berufe versichert kaum noch jemand: Sprengmeister, Offshore-Arbeiter, Hochseefischer, Soldaten mit Auslandsverwendung, Stuntleute.
Hier lautet die Frage nicht „BU ja oder nein". Sondern: Ist das Geld in der BU besser angelegt als in einer Grundfähigkeitsversicherung mit gutem Katalog, einer Funktionsinvaliditäts- oder Multi-Risk-Police? Für Piloten und fliegendes Personal ist die Loss-of-License-Deckung der richtige Weg, für Profisportler die Sportinvaliditätsversicherung.
2. Der Ausschluss trifft genau dein Hauptrisiko
Nach der Gesundheitsprüfung bietet der Versicherer oft einen Vertrag mit Ausschluss an. Ob das schlimm ist, hängt von deinem Beruf ab. „Wirbelsäule und deren Folgen" kann ein Softwareentwickler verschmerzen. Für einen Fliesenleger ist der Vertrag damit wertlos.
Dasselbe gilt für Psyche-Ausschlüsse bei Lehrern, Erziehern und Pflegekräften. Ein großer Teil der Leistungsfälle liegt in diesen Berufen genau dort. Wenn der Ausschluss dein Hauptrisiko trifft, zahlst du für eine Restdeckung, die du kaum je brauchst. Auch bei Zuschlägen über etwa 100 % lohnt der Blick auf Alternativen.
Ob ein Ausschluss droht, kannst du vorher herausfinden, ohne Spuren zu hinterlassen: mit der anonymen Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern gleichzeitig.
3. Die Rente würde angerechnet
Diesen Punkt übersehen die meisten. Die BU-Rente wird auf Bürgergeld und Grundsicherung voll angerechnet. Wenn du dir nur 500 oder 700 € Rente leisten kannst, landet im Ernstfall ein großer Teil davon faktisch beim Sozialamt.
Die versicherte Rente muss deinen Bedarf spürbar überschreiten, einschließlich der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung. Meine Faustregel: 80 bis 90 % deines aktuellen monatlichen Nettoeinkommens als BU-Rente absichern. Sonst entsteht aus deinem Beitrag kein Mehrwert. Wer das nicht darstellen kann, fährt mit einer kleineren Grundfähigkeitsrente oder ganz ohne Vertrag oft besser als mit einer BU, die verrechnet wird.
4. Du bist selbstständig und die Bedingungen laufen ins Leere
Bei Selbstständigen und Unternehmern prüft der Versicherer im Leistungsfall, ob du deinen Betrieb zumutbar umorganisieren kannst. Ein Inhaber mit mehreren Mitarbeitern und Weisungsbefugnis könnte sich theoretisch selbst in eine reine Leitungsfunktion setzen. Dann zahlt der Versicherer nicht.
Ohne Verzicht auf die Umorganisationsprüfung oder zumindest eine klar definierte Klausel ist der Vertrag für diese Gruppe deutlich schwächer, als er aussieht. Bei Gesellschafter-Geschäftsführern mit kleiner Belegschaft lohnt die Diskussion, ob Erwerbsunfähigkeit plus Schwere-Krankheiten-Vorsorge nicht die ehrlichere Lösung ist.
5. Du hast kein Einkommen, das du schützen musst
Wer seinen Lebensstandard aus Mieten, Kapitalerträgen oder Betriebsvermögen bestreiten kann, braucht keine Arbeitskraftabsicherung. Das gilt selten, aber es gilt.
Ähnlich bei Menschen ohne Erwerbseinkommen, etwa in der Familienphase. Fällt diese Person aus, entstehen Kosten für Haushalt und Betreuung. Die versicherbare BU-Rente ist dann aber meist auf etwa 1.000 € gedeckelt und die Berufsgruppe ungünstig. Auch hier passt eine Grundfähigkeitsversicherung oft besser.
6. Du bist über Mitte fünfzig
Beim Neuabschluss ist die Grenze ungefähr dort erreicht, wo die Summe der Restbeiträge in die Größenordnung der maximal noch erreichbaren Leistung kommt. Ab Mitte fünfzig ist das bei vielen Berufen der Fall, bei Risikoberufen früher. Wer mit 58 noch acht Jahre absichern will, zahlt viel für eine kurze Restlaufzeit.
Bestandsvertrag: kündigen ist fast nie richtig
Wenn du schon eine BU hast und der Beitrag drückt, gilt fast immer eine andere Antwort. Beitragsfreistellung, Stundung, eine niedrigere Rente oder ein früheres Endalter erhalten dir den Gesundheitszustand von damals. Den bekommst du bei einem Neuabschluss nicht zurück.
Bei Verträgen aus der Zeit vor 2001 solltest du vor jedem Tausch prüfen, was du aufgibst. Die abstrakte Verweisung in Alttarifen ist ein echter Nachteil. Die erneute Gesundheitsprüfung kann aber der größere sein. Genau das schaue ich mir im BU-Vertrags-Check an.
Ein Sonderfall: Beamte und Kammerberufe
Oft höre ich: „Ich bin Beamter, ich bin versorgt." Oder: „Ich habe ein Versorgungswerk." Beides stimmt so nicht. Die Dienstunfähigkeitsversorgung greift vor Ablauf der Mindestdienstzeit kaum. Versorgungswerke verlangen in der Regel die vollständige Aufgabe der Berufstätigkeit, bevor sie zahlen.
Für diese Gruppen ist die BU eher wichtiger als anderswo, nur mit anderen Klauseln. Für Beamte ist das die Dienstunfähigkeitsklausel.
Was ich dir rate
Wenn du dich in einem der sechs Fälle wiedererkennst, heißt das nicht „keine Absicherung". Es heißt: Rechne ehrlich nach, ob die BU für dich das passende Produkt ist, oder ob eine Grundfähigkeitsversicherung, eine Multi-Risk-Police oder eine kleinere Lösung mehr bringt.
Wenn du es schnell wissen willst: Mein kostenloser BU-Check fragt Beruf, Alter, Status und Finanzen ab und sagt dir in zwei Minuten, ob die BU für dich sinnvoll ist, auf der Kippe steht oder eher nicht passt.
Wenn du das nicht allein sortieren willst, gehen wir es gemeinsam durch: kostenlose Beratung buchen, wie immer ohne Honorar.
Häufige Fragen
Wann lohnt sich eine BU nicht?
Wenn der Beitrag wegen der Berufsgruppe 8 bis 15 % deines Nettoeinkommens frisst, ein Ausschluss dein Hauptrisiko trifft, die Rente so klein wäre, dass sie auf Bürgergeld angerechnet wird, du als Selbstständiger ohne Verzicht auf die Umorganisationsprüfung versichert wärst, du kein Erwerbseinkommen absichern musst oder ab Mitte fünfzig neu abschließen willst.
Welche Alternativen gibt es zur BU?
Grundfähigkeitsversicherung mit gutem Katalog, Funktionsinvaliditäts- oder Multi-Risk-Police, Erwerbsunfähigkeit plus Schwere-Krankheiten-Vorsorge. Für Piloten die Loss-of-License-Deckung, für Profisportler die Sportinvaliditätsversicherung.
Wird die BU-Rente auf Bürgergeld angerechnet?
Ja, vollständig. Eine Rente von 500 oder 700 € landet bei Bürgergeld oder Grundsicherung faktisch beim Sozialamt. Die versicherte Rente muss deinen Bedarf inklusive Kranken- und Pflegeversicherung spürbar überschreiten.
Soll ich meine bestehende BU kündigen?
Fast nie. Beitragsfreistellung, Stundung, niedrigere Rente oder früheres Endalter erhalten deinen damaligen Gesundheitszustand. Bei Verträgen vor 2001 ist die abstrakte Verweisung ein Nachteil, eine neue Gesundheitsprüfung kann aber der größere sein.
Brauchen Beamte und Kammerberufe eine BU?
Ja, eher mehr als andere. Die Dienstunfähigkeitsversorgung greift vor der Mindestdienstzeit kaum, Versorgungswerke verlangen meist die vollständige Berufsaufgabe. Wichtig sind die passenden Klauseln.
Berufsgruppen, Beitragsanteile und Altersgrenzen sind Erfahrungswerte aus meiner Beratungspraxis und unterscheiden sich je nach Versicherer und Tarif (Stand 2026, bitte im Einzelfall prüfen). Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung.
