Private Unfallversicherung
Sie ist günstig, sie klingt vernünftig, und sie wird oft an der falschen Stelle verkauft. Ich sage dir offen, wann sie dir hilft und wann dein Geld in einem anderen Vertrag besser liegt.
Wofür sie zahlt
Die private Unfallversicherung leistet, wenn du nach einem Unfall dauerhaft körperlich oder geistig beeinträchtigt bleibst. Der Fachbegriff dafür ist Invalidität. Sie zahlt einmalig eine Summe, in guten Verträgen zusätzlich eine monatliche Rente.
Wichtig ist der Unterschied zur Krankschreibung. Ein gebrochenes Bein, das nach vier Monaten verheilt, löst keine Leistung aus. Erst was bleibt, wird bezahlt.
Was als Unfall gilt
In den Bedingungen steht eine enge Definition: ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis, das unfreiwillig zu einer Gesundheitsschädigung führt. Jedes Wort daran ist eine Hürde.
- Plötzlich: Ein Bandscheibenvorfall nach Jahren Bürostuhl ist kein Unfall.
- Von außen: Ein Herzinfarkt beim Radfahren kommt von innen, also kein Unfall.
- Unfreiwillig: Wer sich bewusst überlastet, hat keinen Unfall erlitten.
Diese Definition erklärt die meisten Ablehnungen. Sie ist kein Trick des Versicherers, sondern der Kern des Produkts. Wer eine Absicherung gegen Krankheit sucht, sucht am falschen Ort.
Die Gliedertaxe entscheidet über dein Geld
Deine Versicherungssumme bekommst du nicht in voller Höhe. Der Vertrag enthält eine Tabelle, die jedem Körperteil einen Prozentsatz zuweist. Dieser Prozentsatz wird mit deiner Summe multipliziert.
| Verlust | Invaliditätsgrad | Leistung |
|---|---|---|
| Ein Arm im Schultergelenk | 70 % | 70.000 € |
| Eine Hand | 55 % | 55.000 € |
| Ein Bein über der Mitte des Oberschenkels | 70 % | 70.000 € |
| Ein Auge | 50 % | 50.000 € |
| Ein Daumen | 20 % | 20.000 € |
| Gehör auf einem Ohr | 30 % | 30.000 € |
Die Werte unterscheiden sich je Anbieter. Genau darin liegt der Unterschied zwischen zwei Tarifen mit gleichem Beitrag.
Für einen Handwerker ist die Hand mehr wert als die 55 Prozent aus der Standardtaxe. Manche Versicherer bieten verbesserte Gliedertaxen mit höheren Sätzen für Hände, Finger und Beine. Wenn du mit deinen Händen arbeitest, schaue ich zuerst dorthin und dann auf den Preis.
Progression
Mit einer Progression steigt die Leistung bei hohen Invaliditätsgraden überproportional. Bei 500 Prozent Progression können aus 100.000 € Grundsumme im schwersten Fall bis zu 500.000 € werden. Der Gedanke dahinter: Kleine Beeinträchtigungen kosten wenig Geld, ein Rollstuhl verändert dein ganzes Leben.
Der Preis dafür ist die schwache Leistung im unteren Bereich. Bei 20 Prozent Invalidität zahlt ein Progressionstarif oft weniger als ein linearer Vertrag mit hoher Grundsumme. Beides hat seine Logik. Ich rechne dir beide Varianten mit deinen Zahlen durch.
Unfallrente
Zusätzlich zur Einmalsumme kannst du eine monatliche Rente vereinbaren, meist ab 50 Prozent Invaliditätsgrad. Sie läuft lebenslang und ist der Baustein, der im schweren Fall wirklich trägt. Achte auf die Schwelle: Manche Tarife zahlen erst ab 70 Prozent, das ist ein großer Unterschied.
Wie hoch die Summe sein muss
Als Orientierung nehme ich das Vier- bis Sechsfache deines Bruttojahreseinkommens. Der bessere Weg ist die Rechnung von hinten: Was kostet dein Leben nach einem schweren Unfall? Barrierefreier Umbau, ein umgebautes Auto, Hilfe im Haushalt, der Einkommensausfall. Da kommen schnell mehrere hunderttausend Euro zusammen.
Eine Summe von 50.000 € klingt nach viel und reicht im Ernstfall für kaum etwas. Lieber eine hohe Summe ohne Zusatzbausteine als eine kleine Summe mit vielen Extras.
Kein Ersatz für die Berufsunfähigkeit
Das ist der Punkt, an dem ich am häufigsten widersprechen muss. Nur ein kleiner Teil aller Berufsunfähigkeiten geht auf einen Unfall zurück. Der große Rest entsteht durch Krankheit, vor allem durch psychische Erkrankungen, Rücken und Gelenke, Krebs und Herz-Kreislauf-Leiden. Genau diese Fälle deckt die Unfallversicherung nicht ab.
Wer eine Unfallversicherung als günstige Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung kauft, ist im wahrscheinlichsten Fall unversichert. Der Beitrag ist niedrig, weil das versicherte Risiko klein ist.
Zwei Situationen, in denen ich sie trotzdem empfehle: Du bekommst wegen Vorerkrankungen keine BU und auch keine Grundfähigkeitsversicherung. Oder du hast eine BU und willst den Unfallbereich zusätzlich absichern, weil dein Hobby oder dein Beruf ein erhöhtes Risiko mitbringt.
Was die gesetzliche Unfallversicherung abdeckt
Als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer bist du über deinen Betrieb gesetzlich unfallversichert. Diese Deckung gilt für Arbeitsunfälle, für den Weg zur Arbeit und für Berufskrankheiten. Zu Hause und in der Freizeit greift sie nicht, und dort passiert der größere Teil aller Unfälle. Eine private Unfallversicherung gilt rund um die Uhr, weltweit.
Kinder: meist der falsche Vertrag
Für Kinder wird die Unfallversicherung am häufigsten verkauft und ist am seltensten richtig. Der Grund ist einfach: Die große Mehrheit der Behinderungen bei Kindern entsteht durch Krankheit, nicht durch einen Unfall. Eine Unfallpolice zahlt dann nichts.
Die passende Lösung heißt Kinderinvaliditätsversicherung. Sie leistet auch bei schwerer Erkrankung, in der Regel ab einem festgelegten Grad der Behinderung, und zahlt eine monatliche Rente. Sie kostet mehr als eine Unfallpolice und deckt das ab, was tatsächlich passiert. Im Kindergarten und in der Schule besteht ohnehin gesetzlicher Unfallschutz.
Der häufigste Fehler, den ich sehe
Familien haben drei günstige Unfallpolicen für die Kinder und keine Berufsunfähigkeitsversicherung für die Eltern. Wenn ein Elternteil ausfällt, bricht das Einkommen weg, und die Kinderpolicen helfen dabei nicht. Die Reihenfolge ist: erst die Arbeitskraft der Verdienenden absichern, dann die Kinder, dann alles Weitere.
Worauf ich im Tarif schaue
- Höhe der Invaliditätssumme, gemessen an deinem Bedarf und nicht am Beitrag
- Gliedertaxe im Wortlaut, mit verbesserten Sätzen für die Körperteile, die du beruflich brauchst
- Unfallrente ab 50 Prozent Invaliditätsgrad
- Unfälle infolge einer Bewusstseinsstörung eingeschlossen, also auch nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krampfanfall
- Eigenbewegung und Kraftanstrengung mitversichert, etwa der Sehnenriss beim Sport
- Infektionen, Zeckenbiss mit Folgeerkrankung, Vergiftungen
- Bergungs- und Rückholkosten, Kosten für kosmetische Operationen
- Keine Meldefrist von wenigen Tagen und eine faire Frist zur Feststellung der Invalidität
- Verzicht auf die Kürzung bei Vorerkrankungen, soweit der Anbieter das anbietet
Nicht in jedem Vertrag brauchst du alles. Aber du solltest wissen, was fehlt, bevor du unterschreibst.
So gehen wir vor
Zuerst klären wir, ob die Unfallversicherung für dich überhaupt der richtige Vertrag ist. Oft ist die Antwort: nicht als Erstes. Wenn sie passt, rechne ich deine Summe aus, vergleiche Gliedertaxen im Wortlaut und lege dir zwei bis drei Tarife nebeneinander. Du bekommst eine Empfehlung, die ich dir begründe.
Hast du schon eine Police? Schick sie mir. Ich schaue nach, wie hoch deine Summe ist, was in deiner Gliedertaxe steht und ob eine Unfallrente enthalten ist. Das kostet dich nichts.
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Häufige Fragen
Das werde ich zur Unfallversicherung oft gefragt.
Ist eine private Unfallversicherung sinnvoll?
Für Erwachsene selten als Ersatz für die Berufsunfähigkeitsversicherung, weil nur rund jede zehnte Berufsunfähigkeit auf einen Unfall zurückgeht. Sinnvoll ist sie als Ergänzung, wenn keine BU möglich ist, und für Kinder als Kinderinvaliditätsversicherung.
Was ist die Gliedertaxe?
Eine Tabelle im Vertrag, die jedem Körperteil einen Prozentsatz zuordnet. Der Verlust eines Arms bedeutet zum Beispiel 70 % Invalidität. Dieser Prozentsatz wird mit deiner Versicherungssumme multipliziert.
Wie hoch sollte die Invaliditätssumme sein?
Als Orientierung das Vier- bis Sechsfache deines Bruttojahreseinkommens. Rechne mit dem, was du bei voller Invalidität brauchst: Umbau der Wohnung, Auto, Hilfe im Alltag, Einkommensausfall.
Was bedeutet Progression?
Bei hohen Invaliditätsgraden steigt die Leistung überproportional. Aus 100.000 € Grundsumme können bei einer Progression von 500 % bis zu 500.000 € werden. Bei kleinen Graden zahlt der Vertrag dafür wenig.
Was ist ein Unfall im Sinne der Bedingungen?
Ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis, das unfreiwillig zu einer Gesundheitsschädigung führt. Krankheiten, Verschleiß und die meisten Rückenleiden fallen nicht darunter.
Zahlt die Unfallversicherung bei Herzinfarkt oder Schlaganfall?
Nur, wenn der Vertrag Unfälle infolge einer Bewusstseinsstörung ausdrücklich einschließt. Standardtarife lehnen hier ab, weil die Ursache innerlich ist und nicht von außen kommt.
Brauchen Kinder eine Unfallversicherung?
Eine Kinderinvaliditätsversicherung ist meist die bessere Wahl. Sie zahlt auch bei schwerer Krankheit, und rund neun von zehn Behinderungen bei Kindern entstehen durch Krankheit, nicht durch einen Unfall.
Ist die gesetzliche Unfallversicherung nicht genug?
Sie greift nur bei Arbeits- und Wegeunfällen sowie Berufskrankheiten. Der größere Teil aller Unfälle passiert in der Freizeit und zu Hause, und dort zahlt sie nicht.
Was kostet deine Beratung?
Nichts. Ich vergleiche kostenfrei und unverbindlich, auch wenn am Ende kein Vertrag zustande kommt.
