Riester-Rente
Staatliche Zulagen plus Steuervorteil — die Riester-Rente ist eine der wenigen Vorsorgeformen mit direkter Förderung vom Staat. Sinnvoll vor allem für Familien und Geringverdiener:innen.
Riester wird in Talkshows gern schlechtgeredet — und doch besitzen rund 15 Millionen Menschen in Deutschland einen Vertrag. Die Wahrheit liegt dazwischen: Riester ist eine staatlich geförderte Altersvorsorge (2. Schicht), die mit Zulagen und Steuervorteilen die Lücke der gesetzlichen Rente verkleinern soll. Das deutsche Rentenniveau liegt bei nur etwa 50 % — diese Lücke ist real.
Das Problem ist nicht Riester an sich, sondern dass die meisten einen schlechten Vertrag mit hohen Kosten und magerer Aktienquote haben. In der richtigen Konstellation ist die Förderquote dagegen so hoch, dass kaum ein anderes Produkt mithält. Es kommt also auf die Variante an — und auf dich.
Auf einen Blick
- Riester bringt staatliche Zulagen und/oder einen Steuervorteil bei der Einzahlung.
- Lohnt sich v. a. für Familien mit Kindern und Geringverdiener:innen (Zulagen) sowie Besserverdiener:innen (Steuer).
- Zulagen: 175 € Grund-, bis 300 € Kinderzulage, 200 € Berufseinsteigerbonus.
- Mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen sind dir zu Rentenbeginn garantiert.
- Zu Rentenbeginn max. 30 % Kapital auf einen Schlag, der Rest als lebenslange Rente.
- Ein Wechsel zu einem besseren Anbieter ist jederzeit möglich.
Wie die Riester-Rente funktioniert
Du zahlst eigene Beiträge ein, der Staat legt Zulagen obendrauf — und über die Steuererklärung kann noch ein Steuervorteil dazukommen. Welcher der beiden Wege für dich besser ist, ermittelt das Finanzamt jedes Jahr automatisch über die Günstigerprüfung.
Lebenslange Rente
Wie die gesetzliche Rente wird Riester lebenslang ausgezahlt und sichert so dein Langlebigkeitsrisiko ab. Zu Rentenbeginn kannst du dir einmalig bis zu 30 % des Kapitals auszahlen lassen, der Rest fließt als Rente. Frühester Start: mit 62 (bei Verträgen vor 2012 mit 60).
Garantie auf Beiträge und Zulagen
Zu Rentenbeginn muss dir der Anbieter mindestens die eingezahlten Beiträge plus alle Zulagen garantieren. Die „Rendite" über die jährlichen Zulagen hast du also sicher — das gibt es bei keinem anderen Produkt.
Das Herzstück
Zulagen & Steuervorteil
Diese Zulagen gibt es pro Jahr — in voller Höhe aber nur, wenn du auch den passenden Beitrag zahlst:
Grundzulage
pro Jahr, für jede förderberechtigte Person
Kinderzulage
je Kind, geboren ab 2008 (vorher 185 €)
Berufseinsteigerbonus
einmalig, bei Abschluss unter 25 Jahren
Anlage AV
max. absetzbarer Beitrag pro Jahr (Steuervorteil)
Beispiel: Peter
Erstattung: 0 € — Zulage ist höher
Beispiel: Annette
Erstattung: 125 € extra vom Finanzamt
Wie viel du einzahlen musst
Für die vollen Zulagen musst du 4 % deines Vorjahres-Bruttoeinkommens (abzüglich der Zulagen) einzahlen. Zahlst du weniger, werden deine Zulagen anteilig gekürzt — zahlst du z. B. nur die Hälfte des nötigen Beitrags, gibt es auch nur die halben Zulagen.
Sockelbeitrag & steueroptimiert
Mindestens fällig ist der Sockelbeitrag von 60 € im Jahr (5 €/Monat). Für Gutverdiener lohnt sich oft der steueroptimierte Beitrag: Bei einem Single ohne Kinder sind das 160,42 € im Monat (2.100 € − 175 € Grundzulage, geteilt durch 12).
Förderberechtigt?
Wer Riester abschließen kann
Nicht jede:r ist förderberechtigt — es gibt unmittelbar und mittelbar Berechtigte.
Direkt dabei
- Arbeitnehmer:innen & Auszubildende, Studierende mit rentenversicherungspflichtigem Minijob
- pflichtversicherte Selbstständige
- Beamte, Richter:innen und Soldat:innen
- Bezieher von ALG 1, Bürgergeld oder Krankengeld
- erwerbsgeminderte & dienstunfähige Menschen
Über den Partner
- Ehegatten von unmittelbar förderberechtigten Personen
- Beispiel: Als Hausfrau/Hausmann kannst du riestern, wenn dein:e Partner:in direkt förderberechtigt ist und selbst riestert
Sinnvoll oder sinnlos?
Für die allermeisten Menschen ist Riester sinnvoll — vorausgesetzt, der Vertrag ist gut und der Beitrag optimal gewählt. Warum sollte sich ein Produkt nicht lohnen, das dir über die Zulagen eine garantierte Rendite bringt und später eine lebenslange Rente zahlt?
Das große Aber: Die meisten bestehenden Verträge sind schlecht — zu teuer, zu konservativ angelegt, mit schwachem Rentenfaktor. Dann lohnt sich Riester tatsächlich nicht. Genau deshalb gilt: Es kommt nicht auf „Riester ja oder nein" an, sondern auf den richtigen Vertrag.
Worauf du beim Abschluss achten musst
Dass so viele schlechte Verträge laufen, liegt daran, dass auf die falschen Dinge geachtet wird. Diese Punkte entscheiden wirklich:
- Hoher, 100 % garantierter Rentenfaktor ohne Treuhänderklausel
- Möglichst hohe Aktienquote (nicht nur 5 %!)
- Niedrige Kosten — aber erst nach den anderen Kriterien
- Finanzstarker Versicherer mit langer Historie
- Automatisches Ablaufmanagement
- Sinnvoller Hinterbliebenenschutz
Wie ich dich begleite
Ich prüfe zuerst alle entscheidenden Kriterien — Rentenfaktor, Aktienquote, Finanzstärke — und wähle erst dann den Anbieter mit der günstigsten Kostenstruktur. So entsteht eine wirklich gute Riester. Und ich rechne dir ehrlich vor, ob Riester für deine Situation besser passt als eine ETF-Rente oder die Rürup-Rente.
Besteuerung & Wechsel
Riester wird nachgelagert besteuert: Die Rente versteuerst du im Alter mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz — der dann meist niedriger ist als heute. Anders als bei einer ETF-Rentenversicherung wird allerdings die gesamte Rente versteuert, nicht nur der Ertragsanteil (dafür war die Einzahlung gefördert). Der Pluspunkt: keine Sozialversicherungsabgaben.
Wechsel jederzeit möglich
Eine Besonderheit von Riester: Du kannst deinen Vertrag jederzeit zu einem besseren Anbieter wechseln und dein bereits angespartes Kapital mitnehmen. Es fällt höchstens eine kleine Wechselgebühr an (meist 80–120 €). Eine Kündigung ist dagegen fast immer die schlechteste Option — dann musst du Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.
Die Frage ist nicht „Riester ja oder nein" — sondern ob dein Vertrag gut ist. Zulagen geschenkt zu bekommen lohnt sich fast immer. Ein schlechter Tarif frisst den Vorteil wieder auf.
Imran SunaoğluHäufige Fragen
Das fragen mich Sparer:innen oft.
Kann ich mir das Riester-Kapital komplett auszahlen lassen?
Nein. Zu Rentenbeginn kannst du dir einmalig maximal 30 % des Kapitals auf einen Schlag auszahlen lassen. Der Rest muss als lebenslange Rente fließen — das sichert dein Langlebigkeitsrisiko ab.
Für wen lohnt sich die Riester-Rente?
Vor allem für Familien mit Kindern und Geringverdiener:innen (wegen der hohen Zulagen) sowie für Besserverdiener:innen (wegen des Steuervorteils). Bei hohem Einkommen ohne Kinder sind Rürup oder eine ETF-Rentenversicherung aber oft die bessere Wahl — wir rechnen beides durch.
Wie hoch ist der Mindestbeitrag zur Riester-Rente?
Der Sockelbeitrag liegt bei 60 € im Jahr, also 5 € im Monat. So viel muss mindestens eingezahlt werden — auch wenn deine Zulagen rechnerisch schon einen Beitrag von 0 € ergeben würden. Für die vollen Zulagen sind 4 % deines Vorjahres-Bruttoeinkommens nötig.
Worauf muss ich beim Abschluss achten?
Auf einen hohen, zu 100 % garantierten Rentenfaktor ohne Treuhänderklausel, eine möglichst hohe Aktienquote (nicht nur 5 %), niedrige Kosten, einen finanzstarken Versicherer und ein automatisches Ablaufmanagement. Genau hier entscheidet sich, ob deine Riester gut oder schlecht ist.
Ist die Riester-Rente Bürgergeld-sicher?
Ja. Das angesparte Guthaben ist vor Bürgergeld geschützt, insolvenz- und pfändungssicher und wird während des Leistungsbezugs nicht angerechnet, solange du den Vertrag nicht kündigst.
Kann ich meine bestehende Riester-Rente wechseln?
Ja, jederzeit zu einem anderen Anbieter — diese Möglichkeit gibt es nur bei Riester. Dein bereits angespartes Kapital lässt sich übertragen. Es kann eine kleine Wechselgebühr (meist 80–120 €) anfallen, die vom übertragenen Kapital abgezogen wird.
Wie wird die Riester-Rente besteuert?
Nachgelagert mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz — im Alter meist niedriger als im Berufsleben. Anders als bei einer ETF-Rentenversicherung wird die gesamte Rente versteuert, nicht nur der Ertragsanteil. Dafür fallen keine Sozialversicherungsabgaben an.
