Ab dem 1. Januar 2027 kannst du deinen bestehenden Riester-Vertrag auf das neue Altersvorsorgedepot übertragen — freiwillig, ohne die bisherige staatliche Förderung zurückzahlen zu müssen. Ob sich der Wechsel lohnt, hängt vor allem von drei Dingen ab: deiner Restlaufzeit bis zur Rente, den Kosten und Garantien deines aktuellen Vertrags und deiner künftigen Förderhöhe im neuen System.
Niemand muss wechseln: Bestehende Riester-Verträge genießen vollen Bestandsschutz und laufen mit der alten Förderung weiter. Aber für viele Sparer ist der Wechsel eine echte Chance — und für manche ein teurer Fehler. In diesem Beitrag bekommst du die Entscheidungskriterien, mit denen du deinen Vertrag einordnen kannst.
Welche Optionen hast du ab 2027 mit deinem Riester-Vertrag?
Die Reform gibt dir drei Wege, und nur einen davon solltest du von vornherein ausschließen — die Kündigung. Deine Optionen im Überblick:
Option 1 — Weiterführen wie bisher: Dein Vertrag läuft unverändert mit der alten Riester-Förderung weiter (Grundzulage, Kinderzulagen, Beitragsgarantie). Es gibt keine automatische Umstellung und keinen Handlungszwang.
Option 2 — In die neue Förderung wechseln, Produkt behalten: Du behältst deinen Vertrag, wirst aber ab dem Wechsel nach der neuen Systematik gefördert — 50 % Zulage auf die ersten 360 € Eigenbeitrag pro Jahr, 25 % auf weitere Einzahlungen bis 1.800 €, unabhängig vom Einkommen.
Option 3 — Guthaben auf ein Altersvorsorgedepot übertragen: Dein angespartes Riester-Kapital wandert in ein neues Depot, wahlweise auch bei einem anderen Anbieter. Die bisherige Förderung bleibt dir erhalten; es können aber Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen.
Eine Kündigung ist dagegen fast immer die schlechteste Wahl: Du zahlst in der Regel sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurück und realisierst Verluste, die du beim Übertrag vermieden hättest.
Für wen lohnt sich der Wechsel ins Altersvorsorgedepot?
Der Wechsel lohnt sich tendenziell, je länger dein Geld noch arbeiten kann und je schwächer dein aktueller Vertrag ist. Konkret sprechen diese Punkte für den Übertrag:
Lange Restlaufzeit: Wer noch 15, 20 oder mehr Jahre bis zur Rente hat, kann Wertschwankungen aussitzen — und profitiert am stärksten davon, dass im Depot ohne Beitragsgarantie die volle Aktienquote möglich ist. Genau diese Garantie hat in klassischen Riester-Verträgen einen Großteil der Rendite gekostet.
Teurer Altvertrag mit magerer Rendite: Viele Riester-Policen kombinieren hohe Abschluss- und Verwaltungskosten mit renditearmer Anlage. Wenn dein Vertrag nach Kosten kaum wächst, ist die Übertragung in ein günstiges, ETF-basiertes Depot meist der wirksamste Hebel.
Neue Förderlogik passt zu dir: Die alte Riester-Förderung verlangte 4 % deines Vorjahreseinkommens für die volle Zulage — Gutverdiener mussten also viel einzahlen. Die neue Förderung ist einkommensunabhängig und belohnt besonders die ersten 360 € mit 50 %. Davon profitieren vor allem Sparer mit kleinen und mittleren Beiträgen.
Wann solltest du beim alten Riester-Vertrag bleiben?
Es gibt gute Gründe, den Bestandsschutz zu nutzen und nicht zu wechseln. Bleib (vorerst) beim Altvertrag, wenn einer dieser Punkte auf dich zutrifft:
Kurz vor der Rente: Wenige Jahre vor der Auszahlphase ist die Beitragsgarantie kein Bremsklotz mehr, sondern ein Sicherheitsnetz. Ein Einbruch am Aktienmarkt kurz vor Rentenbeginn lässt sich dann kaum noch aufholen.
Wertvolle Garantien im Altvertrag: Ältere Riester-Rentenversicherungen enthalten teils hohe garantierte Rentenfaktoren oder Garantiezinsen, die es so nie wieder gibt. Diese Garantien verfallen beim Übertrag unwiederbringlich — hier ist eine genaue Prüfung Pflicht, bevor du etwas aufgibst.
Bereits in der Auszahlphase: Wer schon Riester-Rente bezieht, kann nicht mehr ins neue System wechseln. Die Entscheidung stellt sich hier nicht mehr.
Hohe Kinderzulagen im alten System: Mit mehreren Kindern und kleiner Sparrate kann die alte Förderung (300 € Kinderzulage pro Kind und Jahr für ab 2008 geborene Kinder) im Einzelfall attraktiver sein als die neue beitragsproportionale Logik. Das gehört durchgerechnet, nicht geschätzt.
Die gute Nachricht für alle: Die Auszahlung wird besser
Ein oft übersehener Punkt der Reform betrifft auch die, die gar nicht wechseln: Die Auszahlungsregeln werden flexibler. Bisher musste dein Riester-Anbieter einen Teil deines Guthabens in eine — oft teure — Rentenversicherung ab 85 umwandeln. Nach der Reform kannst du stattdessen einen reinen Fondsauszahlplan wählen, der frühestens mit deinem 85. Geburtstag endet, ohne verpflichtende Restverrentung.
Wenn du kurz vor der Auszahlphase stehst, kann es deshalb sinnvoll sein, den Beginn der Auszahlung — sofern finanziell machbar — auf die Zeit nach dem Reformstart zu legen. Auch das ist eine Einzelfallentscheidung, die von deinem Vertrag abhängt.
So findest du heraus, was für deinen Vertrag richtig ist
Die ehrliche Antwort: Ob Weiterführen, Förderwechsel oder Übertrag — das entscheidet sich an den Zahlen deines konkreten Vertrags. Drei Werte brauchst du dafür: die tatsächlichen Kosten (Effektivkostenquote), die garantierten Leistungen (Rentenfaktor, Garantiezins) und deine Restlaufzeit.
Genau diese Punkte prüfe ich im Riester-Vertrags-Check — du bekommst eine klare Empfehlung: behalten, umstellen oder übertragen, mit Rechnung statt Bauchgefühl. Wie alles bei mir ohne Honorargebühr. Und wenn du das neue System erst einmal grundsätzlich verstehen willst: Im Beitrag Altersvorsorgedepot 2027 einfach erklärt findest du alle Regeln, Zulagen und Fristen im Überblick.
Kostenlose Erstberatung buchen — wie immer ohne Honorar.
Häufige Fragen zum Riester-Wechsel
Muss ich meinen Riester-Vertrag 2027 umstellen?
Nein. Bestehende Riester-Verträge haben Bestandsschutz und laufen mit der bisherigen Förderung unverändert weiter. Der Wechsel ins neue System ist freiwillig.
Verliere ich beim Wechsel meine bisherigen Riester-Zulagen?
Nein. Beim Übertrag deines Guthabens auf ein Altersvorsorgedepot oder beim Wechsel in die neue Fördersystematik musst du die bisherige Förderung nicht zurückzahlen. Nur bei einer Kündigung wird die Förderung zurückgefordert.
Was kostet der Wechsel vom Riester-Vertrag zum Altersvorsorgedepot?
Beim Übertrag können Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen — je nach altem und neuem Anbieter. Diese Kosten gehören in jede Wechselrechnung, bevor du dich entscheidest.
Kann ich in der Auszahlphase noch ins Altersvorsorgedepot wechseln?
Nein. Wer bereits Riester-Leistungen bezieht, kann nicht mehr in das neue System wechseln.
Lohnt sich der Wechsel bei einem alten Riester-Vertrag mit hohem Garantiezins?
Oft nicht. Hohe garantierte Rentenfaktoren und Garantiezinsen aus Altverträgen verfallen beim Übertrag endgültig. Solche Verträge sollten vor einer Entscheidung unbedingt individuell geprüft werden.
Stand aller Angaben: Juli 2026; Grundlage ist das Altersvorsorgereformgesetz in der vom Bundesrat am 8. Mai 2026 gebilligten Fassung. Einzelne Durchführungsdetails können sich bis zum Start noch konkretisieren. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung.
