Ab dem 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ab. Der Bundesrat hat die Reform am 8. Mai 2026 verabschiedet und damit die geförderte private Altersvorsorge neu aufgestellt. Erstmals konkurrieren klassische Rentenversicherer direkt mit Neobrokern, Banken und Fondsgesellschaften um dieselbe staatliche Förderung: bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr, bis zu 300 € Kinderzulage je Kind und 200 € Berufseinsteiger-Bonus für Sparer unter 25.

Welche Variante passt zu dir: das kostengünstige Depot oder die Rentenversicherung mit lebenslanger Garantie? Die Antwort hängt vor allem von der Auszahlungsphase ab.

Der entscheidende Unterschied: die Auszahlungsphase

In der Ansparphase unterscheiden sich die Anbieter vor allem bei den Kosten. Spannend wird es zum Rentenbeginn — frühestens mit 62, spätestens mit 70 Jahren. Anders als bei Riester gibt es beim Altersvorsorgedepot keine Verrentungspflicht mehr. Du wählst zwischen:

  • Befristetem Auszahlungsplan mindestens bis zum 85. Lebensjahr — auch ohne Versicherer möglich, Restkapital ist vererbbar
  • Lebenslanger Leibrente — nur über einen Versicherer erhältlich
  • Zusätzlich: einmalige Entnahme von bis zu 30 % des Kapitals zu Beginn

Genau hier trennen sich die Wege von Depot und Versicherung.

Wichtig vorab: Das Altersvorsorgedepot ist eine Ergänzung, kein Allheilmittel

Ein Punkt, der in der Werbung untergeht: Der geförderte Eigenbeitrag ist gedeckelt — bei rund 1.800 € im Jahr, also etwa 150 € im Monat. Selbst über eine lange Ansparzeit reicht das für die meisten nicht, um die eigene Rentenlücke wirklich zu schließen. Das Altersvorsorgedepot ist deshalb vor allem eins: ein sinnvoller, günstig geförderter Baustein — nicht die ganze Lösung.

Nutz die Förderung mit, aber plane deine Altersvorsorge größer: als Mischung aus geförderter und ungeförderter Anlage. Wie groß deine Lücke tatsächlich ist und welcher Baustein wie viel beitragen muss, rechnen wir am besten gemeinsam durch.

Das Depot beim Neobroker: günstig, aber ohne Langlebigkeitsschutz

Der größte Vorteil des Depots liegt in den Kosten. Wo klassische Versicherungsprodukte oft 1,5 bis 2,5 % jährlich an Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten verursachen, kommen ETF-basierte Depots teils mit unter 0,5 % aus. Über 30 oder 40 Jahre Ansparzeit macht dieser Unterschied durch den Zinseszinseffekt schnell mehrere zehntausend Euro Endkapital aus.

Der Haken: Ein Neobroker ist kein Versicherer und darf keine lebenslange Rente auszahlen. Er kann nur den Auszahlungsplan bis 85 anbieten. Wer älter wird — und die Wahrscheinlichkeit dafür steigt stetig — steht ab 85 ohne Zahlungen aus diesem Vertrag da. Das Langlebigkeitsrisiko trägst du selbst.

Dafür gilt: Verstirbst du vor dem Ende des Auszahlungsplans, geht das Restkapital an deine Erben — bei einer klassischen Leibrente ohne Rentengarantiezeit ist das Kapital dagegen verloren.

Die Rentenversicherung: lebenslange Zahlung zum Preis höherer Kosten

Die Versicherungslösung bietet, was kein Depot leisten kann: eine garantierte Rente bis zum Lebensende. Zusätzlich gibt es Produktvarianten mit 80- oder 100-Prozent-Beitragsgarantie für sicherheitsorientierte Sparer — allerdings gehen Garantien immer zulasten der Renditechancen.

Der zentrale Prüfstein jeder Versicherungslösung ist der Rentenfaktor: Er gibt an, wie viel monatliche Rente du je 10.000 € Kapital erhältst. Wer früh abschließt, sichert sich einen garantierten Rentenfaktor — doch Vorsicht: Viele Verträge enthalten Treuhänderklauseln, die eine nachträgliche Absenkung ermöglichen. Frag gezielt nach der Härte der Garantie.

Der dritte Weg: erst Depot, dann verrenten

Eine oft übersehene Strategie kombiniert beide Welten: In der Ansparphase nutzt du das günstige Depot und lässt die Kostenvorteile für dich arbeiten. Zum Rentenbeginn entscheidest du neu — etwa einen Teil des Kapitals per Auszahlungsplan zu beziehen und den Rest über einen Anbieterwechsel in eine Leibrente umzuwandeln.

Der Nachteil: Du erhältst nur den zum Rentenbeginn aktuellen Rentenfaktor, keinen heute garantierten. Ob das schlechter ist, lässt sich nicht pauschal sagen — das durch niedrigere Kosten aufgebaute Mehrkapital gleicht einen schwächeren Rentenfaktor häufig aus oder übertrifft ihn sogar.

Fazit: Kostenvorteil gegen Planungssicherheit

Das Altersvorsorgedepot 2027 macht die geförderte Altersvorsorge flexibler und günstiger — die Verrentungspflicht ist Geschichte. Wenn du maximale Rendite suchst und mit dem Langlebigkeitsrisiko umgehen kannst (etwa weil eine gesetzliche Rente oder Immobilie die Grundversorgung sichert), fährst du mit dem Depot meist besser. Wenn du eine lebenslange, planbare Zusatzrente willst, brauchst du den Versicherer — und solltest Rentenfaktor und Kosten kritisch vergleichen. Für viele dürfte die Kombination aus günstiger Ansparphase und späterer Teilverrentung der klügste Weg sein.

Du bist unsicher, welche Variante zu deiner Situation passt? Ich analysiere deine Altersvorsorge unabhängig — kostenloses Erstgespräch buchen, wie immer ohne Honorar.

Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot

Kann ein Neobroker beim Altersvorsorgedepot eine Rente auszahlen?

Keine lebenslange Rente — dafür braucht es einen Versicherer. Neobroker und Banken dürfen aber einen förderfähigen Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr anbieten.

Muss ich mein Altersvorsorgedepot verrenten?

Nein. Anders als bei Riester gibt es keine Verrentungspflicht. Du wählst zwischen Auszahlungsplan bis mindestens 85 und lebenslanger Leibrente; bis zu 30 % kannst du zu Beginn einmalig entnehmen.

Was passiert nach dem 85. Lebensjahr beim Auszahlungsplan?

Der Auszahlungsplan endet — danach fließen aus diesem Vertrag keine Zahlungen mehr. Das Langlebigkeitsrisiko trägst du selbst, sofern du keinen Teil des Kapitals verrenten lässt.

Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot 2027?

Bis zu 540 € Grundzulage jährlich, bis zu 300 € Kinderzulage pro Kind und einmalig 200 € Berufseinsteiger-Bonus für unter 25-Jährige. Erstmals sind auch Selbstständige förderberechtigt.

Was passiert mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?

Er läuft mit Bestandsschutz weiter. Ab 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden; ein freiwilliger Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist möglich.

Stand aller Angaben: Juli 2026; Grundlage ist das Altersvorsorgereformgesetz in der vom Bundesrat am 8. Mai 2026 gebilligten Fassung. Fördersätze und Auszahlungsdetails bitte vor Abschluss prüfen — einzelne Durchführungsdetails können sich bis zum Start noch konkretisieren. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung.

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